Internationales Symposium für Verteilte Stromerzeugung und Intelligente Netze
Wien: Von 13. – 16. Mai findet im Parkhotel Schönbrunn die Smart Grids-Week Vienna08 statt. Im Rahmen der Eröffnung der öffentlichen Veranstaltungstage luden die Veranstalter zum Mediengespräch mit Barbara Schmidt, Generalsekretärin, Verband der Elektrizitätsunternehmen Österreichs, Edeltraud Stiftinger, Leiterin Corporate Innovation Center, Siemens AG Österreich, Hubert Fechner, Geschäftsfeldleiter Erneuerbare Energietechnologien, arsenal research.
„Dass der Strom für uns jederzeit aus der Steckdose kommt, ist für uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Dahinter steht eine umfangreiche und teure Energie-Infrastruktur, die über Jahrzehnte gewachsen ist und von den Volkswirtschaften aufgebaut wurde. Ein immer komplexer werdendes, immer weiter vernetztes, immer dynamischeres und flexibleres Energiesystem, das den ständig wachsenden Ansprüchen angepasst werden, erhalten, ausgebaut und modernisiert werden muss. In Folge des wachsenden globalen Energiehungers, der zunehmenden Ressourcenknappheit und der Erkenntnisse der Klimazusammenhänge (Treibhausproblematik) wird das Energiethema zur Schlüsselfrage der Zukunft. Energie und deren Verfügbarkeit sind zu einem globalen Machtfaktor geworden. Es geht nun um die Optimierung unserer Ressourcen und die Effizienzsteigerung im Elektriztäts-Versorgungssystem. Dabei ist es entscheidend, das gesamte System - von der Energieerzeugung, über die Netze bis hin zu den Speichern und Verbrauchern - zu betrachten. Ein sehr komplexes Feld, das derzeit unter dem Begriff „Smart Grids“ weltweit diskutiert wird. Unter der Schirmherrschaft des bmvit und des bmwa entsteht derzeit eine österreichische Technologieplattform Smart Grids Austria, die den Dialog der Akteursgruppen in Österreich vorantreiben und eine Roadmap für Österreich entwickeln soll. Siemens Österreich geht hier engagiert voran und hat die Projektleitung für den Aufbau der Plattform übernommen. Aufgabe der Smart Grids-Week Vienna08 ist es, die bisherigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten und Initiativen - national und international - zu präsentieren und mit einem Fachpublikum aus Wirtschaft und Industrie, Wissenschaft und Forschung sowie Verwaltung und Behörden zu diskutieren und somit den Boden für weitere Entwicklungen aufzubereiten.
Barbara Schmidt, Generalsekretärin, Verband der Elektrizitätsunternehmen Österreichs: „Steigende Nachfrage nach Strom, die bewusste Hinwendung zu erneuerbaren Energieformen und der Zwang zu maßgeblichen Effizienzsteigerungen erfordern ein Umdenken bei der E-Wirtschaft und ihren Kunden und den Einsatz innovativer Technologien. Österreich ist bei der Entwicklung der intelligenten Netze ganz vorne mit dabei, das zeigen aktuelle Aktivitäten von Unternehmen der E-Wirtschaft. Smart Grids sind die beste Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft – Klimaschutz, Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energieträger und Versorgungssicherheit. Es müssen dafür aber die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Grundlage von Smart Grids ist eine durchgängige Informationsübertragung für das gesamte Netz vom Erzeuger bis zum Verbraucher. Erst wenn die Verbraucher über die Auswirkungen ihrer Gewohnheiten auf den Energieverbrauch und die Kosten Bescheid wissen, können sie auch selbstbestimmt Maßnahmen setzen. Smart Grids sind daher die Vorbedingungen für eine verbraucherseitige Effizienzsteigerung. Smart Grids leisten durch die Integration vieler kleiner Anlagen auf Basis von erneuerbaren Energieträgern auch einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zum Klimaschutz. Die Möglichkeit zur verstärkten Nutzung heimischer Erneuerbarer Energien und Energieeffizienzmaßnahmen mittels intelligenten Stromnetzen reduziert die Abhängigkeit von stetig teurer werdenden Energieimporten. So können lokale Projekte, die Biomasse, Biogas, Solar- oder Windkraftanlagen nutzen, leichter verwirklicht werden und damit zur Stärkung der Beschäftigung in den Zukunftsbereichen der dezentralen Energieversorgung beitragen. Mit den innovativen Technologien, die bereits zur Verfügung stehen, bietet sich die Chance einer Effizienzsteigerung um rund 30 Prozent bei gleicher Leistung. Haushalte können sich durch Effizienzmaßnahmen hohe Summen ersparen. Aber erst die flächendeckende Nutzung und das Zusammenspiel von vielen tausend Komponenten bringen den erwünschten Effekt. Notwendig sind jedoch transparente Regelungen und eine breite Akzeptanz. Die Smart Grids Week ist ein wichtiger Schritt zur Bewusstseinsbildung und zur Weiterentwicklung von sinnvollen Rahmenbedingungen für die künftigen Effizienzverbesserungen.
Edeltraud Stiftinger, Leiterin Corporate Innovation Center, Siemens AG Österreich:Der Schwerpunkt der Siemens AG Österreich im Bereich der Smart Grids liegt in den intelligenten Stromverteilnetzen (Smart Distribution Grids). Aktuelle Entwicklungen bewegen sich im Umfeld der intelligenten Stromzähler, Verteilnetzautomatisierung, innovative Dienstleistungen (Metering Services) und dem Dezentralen Energiemanagement System (DEMS). Basierend auf diesen Technologien lassen sich weitere Kompetenzen im Bereich intelligenter Stromverteilnetze aufbauen. Je früher eine gemeinsame nationale Strategie und Ausrichtung vorliegt, desto höher sind die Chancen für die österreichische Industrie, entscheidende Anteile am Weltmarkt durch eine Technologieführerschaft zu besetzen. Mit der Etablierung der „Nationalen Technologieplattform Smart Grids Austria“ setzen wir einen wichtigen Schritt zur gemeinsamen Ausrichtung und Vernetzung unserer Kompetenzen in Industrie, Elektrizitätswirtschaft und Forschung.
Hubert Fechner, Geschäftsfeldleiter Erneuerbare Energietechnologien, arsenal research: Szenarien der Energiewirtschaft im Kontext der Ökologie- und Ressourcenthematik sehen allesamt eine steigende Bedeutung der Elektrizität. Der intensive Einbau dezentraler Stromquellen in Verteilnetze zeichnet sich klar ab: Neben dem Ausbau der traditionellen Erneuerbaren Energie werden vor allem Dächer, Gebäudefassaden und andere bauliche Elemente zunehmend lokal zur netzgekoppelten Stromgewinnung beitragen, darüber hinaus werden fossile Rohstoffe in absehbarer Zeit auch in der Nutzung im Gebäudebereich nicht mehr verbrannt werden ohne gleichzeitig dabei Strom auszukoppeln. Grundlegende Systemfragen wie Netzplanung, Netzmanagement, Kapazitätsplanung, Stabilität, Schutz-strategien und auch die Versorgungsqualität sowie Optimierung von Lastflüssen sind neu zu diskutieren. In diesem Spannungsbereich ist erhöhter Forschungsbedarf gegeben: Die Internationale Smart Grids Week Vienna08 soll dazu beitragen, Visionen und Forschungsfragen zu diskutieren, ebenso aber auch notwendige Änderungen der Rahmenbedingungen; durch das Poolen der Akteure in der neu gegründeten Technologieplattform wird ein dauerhaftes Innovationsumfeld geschaffen.
Bilder: arsenal research



